Transa

Wo Vereinbarkeit schon kultiviert wurde, bevor es den Begriff überhaupt gab

Teilzeitarbeitende sind hier in der Mehrheit.
Teilzeitarbeitende sind hier in der Mehrheit.

Beim bekannten Schweizer Spezialisten für Outdoor- und Reiseausrüstungen arbeitet die grosse Mehrheit der Mitarbeitenden im Teilzeitpensum. Weil für sie noch anderes zählt als die Arbeit: das Reisen, die Freizeit, die Familie. Das war schon immer so und funktioniert bis heute bestens – sogar in den obersten Führungspositionen. Dafür erhielt Transa den Prix BalanceZH 2011.

Ein langer Gang, links und rechts sonnengelbe offene Bürotüren, auf denen grosse Poster kleben: Bilder von Berggipfeln, einsamen Mountainbikes oder Zelten in wilden Landschaften. Das ist der Firmensitz von Transa, dem grössten Outdoor-Spezialisten in der Schweiz. Das Unternehmen verkauft in seinen zehn Läden im ganzen Land Hightech-Ausrüstungen, Gadgets und Bikes, die unter modernen Abenteuersuchen, Reisenden und Bike-Freaks Kult sind.

75-Prozent-Pensum im Durchschnitt
Rund 40 Leute arbeiten im Backoffice in Zürich, aber viele Pulte sind leer. Das ist immer so, komplett ist die Belegschaft allenfalls beim Weihnachtsessen. Denn bei Transa arbeiten über zwei Drittel der insgesamt 183 Mitarbeitenden Teilzeit, der durchschnittliche Beschäftigungsgrad beträgt 75 Prozent. Als das Unternehmen in den siebziger Jahren gegründet wurde, entstanden die alternativen Arbeitsmodelle noch im Geist von 68, der die Gründungsmitglieder beflügelte. Inzwischen sind sie fest verankert in der modernen Firmenkultur von Transa und werden gezielt gefördert: Wenn Mitarbeitende zwei Jobs auf drei Leute verteilen möchten, ermutigt man sie, einen Vorschlag zu machen, wie es sich organisieren liesse, und setzt ihn dann, wenn immer möglich, um. Bereits im Anstellungsgespräch werden Anwärterinnen und Anwärter darauf aufmerksam gemacht, dass sie auch unbezahlten Urlaub beziehen können und dass es durchaus erwünscht ist, wenn sie ihre persönlichen Wünsche und Projekte realisieren.

Auch Geschäftsführung ist in Teilzeit möglich
Sogar die Position der Geschäftsleitung ist bei Transa theoretisch mit einem Teilzeitpensum möglich. Vorherige Leiter arbeiteten zeitweise 80 Prozent und waren sogar einmal fünf Monate am Stück weg. «Unsere Werte und Überzeugungen machen vor dem Kader nicht halt», sagt Christian Weiss, der Verantwortliche für Publikationen. Obwohl er keine Kinder hat, arbeitet er 90 Prozent, und ist jeden Winter zwei Monate auf Reisen. «So etwas sollte in allen Positionen möglich sein. Ich bin überzeugt, dass es sich immer irgendwie organisieren lässt.» Damit es funktioniert, müsse die Vertrauenssituation in einem Unternehmen stimmen: «Wenn ich weiss und es zulasse, dass es auch ohne mich läuft, kann ich mich mit gutem Gewissen zwischendurch zurückziehen.»

Das Vertrauen in die anderen und die hohe Eigenverantwortung aller Mitarbeitenden machen bei Transa die Flexibilität bei den Arbeitszeiten möglich. Es gibt keine Blockzeiten, sondern grundsätzlich Jahresarbeitszeit. Die Leute arbeiten teilweise auch von zu Hause aus. Damit das organisatorisch alles funktioniert, muss viel kommuniziert werden. Dazu gibt es den Kalender in Outlook und in den Geschäften einen monatlichen Arbeitsplan. Im Transa-Bikeladen, der nur einige Schritte von den Büros entfernt liegt, erstellt Filialleiterin Myriam Haene den Plan. Die Frau mit dem schwarzen Kopftuch ordnet gerade die hippen Kinderbikes neu ein, hinter ihr stehen Veloanhänger für Familien in allen möglichen Ausführungen. Sie ist selber Mutter eines schulpflichtigen Sohnes und arbeitet 80 Prozent. Gleich viel wie ihr Stellvertreter, Francesco Lenti, der Vater dreier Buben ist. «Für meine Frau und mich war immer klar, dass wir beide arbeiten wollen», sagt er, der in der Regel montags und dienstags seine Kinder betreut. Wenn Francesco Lenti, seine Vorgesetzte oder die anderen im Verkaufsteam mal einen zusätzlichen Freitag brauchen, für einen Schulbesuch zum Beispiel, wird das eingeplant oder auch spontan abgesprochen und abgetauscht. Auch wenn jemand am Morgen anruft, weil ein Kind krank ist, findet man eine Lösung.

Vereinbarkeit ist ein Thema, das alle betrifft
Bei Transa ist Vereinbarkeit kein Thema, das nur Mütter betrifft – und auch nicht nur Eltern. Die Mehrheit der Mitarbeitenden hat keine Kinder, und die Belegschaft ist im Schnitt sehr jung. Mitarbeitende, die ihre Arbeitszeit um ihre Kinder "zuschneiden" müssen, werden genau gleich und mit Verständnis behandelt. Das alles funktioniert so reibungslos, weil die meisten flexibel arbeiten und es schlicht normal ist. Niemand misst die Leistung des anderen an fixen Präsenzzeiten im Büro. Und alle wissen, dass wer einmal schon um drei Uhr davonrauscht – aus welchem Grund auch immer – an einem anderen Abend vielleicht bis um acht oder neun arbeitet und seine Arbeit zu Ende bringt. Bei Transa wird gelebt, wofür in anderen Unternehmen Fachstellen Konzepte entwickeln und Sensibilisierungsarbeit leisten. Fortschrittliche Ideen wie Homearbeitsplätze, Diversity oder Vereinbarkeit wurden hier praktiziert, lange bevor es die Begriffe dafür gab. Vera Tscharland hat das erkannt und möchte nun in einem umgekehrten Prozess den theoretischen und konzeptionellen Überbau erarbeiten, so dass Transa sich qualifizieren kann für entsprechende Zertifizierungen und Preise. Damit endlich auch nach aussen dringt, wie innovativ die «traditionelle» Personalpolitik ihres Unternehmens ist. (2009/AS - 2012/aktualisiert)

Die Arbeit fertig bringen ist wichtiger als Präsenzzeiten erfüllen.
Die Arbeit fertig bringen ist wichtiger als Präsenzzeiten erfüllen.

Zahlen und Fakten

Transa 
FirmensitzZürich
Gründungsjahr1974
MitarbeitendeKanton Zürich: 94
schweizweit: 173
Anteil Frauen48 % aller Mitarbeitenden
42 % im Kader
25 % in der Geschäftleitung
Anteil Teilzeitarbeitende65 % aller Mitarbeitenden
75 % der Frauen
57 % der Männer
Seit 1974 flexibel.
Seit 1974 flexibel.