Feller

Jahrzehntelanges Engagement für die Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben

Zufriedenheit zahlt sich für die Firma aus.
Zufriedenheit zahlt sich für die Firma aus.

Gleichberechtigte Arbeit von Frauen und Männern hat bei der Feller AG in Horgen eine lange Tradition. Die Herstellerin von Lichtschaltern, Steckdosen und Fernsteuerungen fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seit Jahrzehnten bewusst. Weil zufriedene Mitarbeitende besser arbeiten und allgemeine Zufriedenheit sich auf lange Sicht auszahlt.

Caroline Rufer ist HR Business Partner, für rund 170 Personaldossiers zuständig – und «sehr happy» mit ihrer 70-Prozent-Stelle bei der Feller AG. Zufrieden sitzt sie in ihrem geräumigen Büro mit der prächtigen Aussicht auf den Zürichsee und die Gemeinde Horgen. Bevor sie diese Stelle antrat, hatte sie längere Zeit mit kleineren Pensen in Zürich bei einer Grossbank gearbeitet. Lange habe sie suchen müssen, bis sie eine 70-Prozent-Stelle gefunden habe, erzählt sie. Mehr kann und will sie nicht arbeiten. Denn sonst bleibt ihr als alleinerziehender Mutter zu wenig Zeit für ihre drei schulpflichtigen Kinder.

Als «ausgesprochen respektvoll, ehrlich, bodenständig und familienfreundlich» bezeichnet sie das Arbeitsklima bei ihrer neuen Arbeitgeberin. Wenn einmal ein Kind krank ist, könne sie von zu Hause aus arbeiten. «Da stosse ich auf grosses Verständnis.»

Mehr Mitarbeitende zu Teilzeit motivieren
Zurzeit leitet Caroline Rufer eine Arbeitsgruppe, die im Auftrag der Geschäftsleitung Vorschläge ausarbeitet, wie Männer bzw. Väter dazu motiviert werden können, Teilzeit zu arbeiten. In einem zweiten Schritt ist geplant, mit Horten und Krippen in Horgen abzuklären, wie eine institutionalisierte Zusammenarbeit aussehen könnte. «Für unsere Firma ist es ein Vorteil, wenn wir Stellensuchenden einen Betreuungsplatz für die Kinder anbieten können», erläutert sie, «das macht die Feller AG noch attraktiver als Arbeitgeberin.»

Die Förderung der Gleichstellung von Frau und Mann sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind strategische Ziele der Feller AG. Vergangenes Jahr untersuchte die auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spezialisierte Fachstelle UND, ob bei der Feller AG diesbezüglich alles zum Besten steht. Sie klärte beispielsweise ab, ob es im Lohnsystem versteckte, diskriminierende Elemente gibt – und wurde nicht fündig. Insgesamt stellte die Fachstelle der Horgener Firma ein gutes Zeugnis aus, machte aber zur weiteren Optimierung folgende Vorschläge:

  • Arbeitszeit: Einführung von «echter Teilzeit» (Pensen unter 90%) im Kader, Ausgestaltung von Teilzeitmodellen für Vorgesetzte und aktives Angebot an sie;
  • Kultur und Führung: Entwicklung eines gemeinsamen Führungsverständnisses zu Teilzeitmodellen;
  • Personalrekrutierung: Aktive Suche von Frauen sowie Ausschreibung von Teilzeitstellen;
  • Betreuungsleistungen: Schaffen von Angeboten für junge Eltern.

Massnahmenkatalog mit Zielvorgaben
Nach der Situationsanalyse erarbeiteten die Expertinnen und Experten von UND zusammen mit ausgewählten Führungspersonen der Feller AG einen Massnahmenkatalog mit verschiedenen konkreten Zielen. Dazu gehört beispielsweise, dass zukünftig zehn Prozent der Kadermitarbeitenden 80 Prozent oder weniger arbeiten sollen. Oder wie bis Ende 2011 fünf Prozent der Mitarbeitenden zusätzlich für Teilzeitarbeit gewonnen werden können. Eine weitere Vision der Geschäftsleitung: Jede Stelle, auch die Führungspositionen aller Stufen, sollen in Zukunft in Teilzeit ausgeübt werden können.

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Feller AG Teilzeitpensen fördert. «Der Wirkungsgrad von Teilzeitarbeitenden ist eindeutig höher», erklärt Personalleiter Markus Graf. Abgesehen davon sei man bei Feller überzeugt, dass es im Leben eines Menschen nicht nur die Arbeit geben dürfe, sondern auch die Familie und andere Bereiche. Wer zu viel und zu lang arbeite, brenne aus. Und das könne nicht das Ziel eines Auftraggebers sein. «Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden zufrieden sind und wenn immer möglich bis zur Pensionierung bei uns bleiben», betont der Personalleiter. Dass dies in den meisten Fällen gelingt, belegt die jährliche Kündigungsrate von lediglich 1,5 Prozent.

Eine der vielen langjährigen Mitarbeiterinnen ist Giovanna La Mura. Wer von ihr in forschem Schritt durchs Lager und die Produktionshallen geführt wird, zweifelt keine Sekunde, dass sie zu hundert Prozent zu ihrer Firma steht. Seit 23 Jahren arbeitet sie bei Feller, seit zwölf Jahren als Leiterin Spedition/Lager. Zuerst habe sie abgewunken, als man ihr den Leitungsposten der Spedition angeboten habe. «Ich bin Italienerin, habe keine gute Ausbildung und spreche nicht perfekt Deutsch», sagt sie. Dass sie schliesslich doch eingewilligt hat, sei der Beharrlichkeit und der Unterstützung des Personalchefs zu verdanken. Heute führt Giovanna La Mura 17 Mitarbeitende und bildet Lehrlinge aus.

Preise für die Chancengleichheit
Der Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, für gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit sowie für Chancengleichheit hat bei der Feller AG lange Tradition und trug ihr bereits einmal einen prestigeträchtigen Preis ein: Im Jahr 2002 gewann sie den Prix Egalité des Kaufmännischen Verbandes der Schweiz.

Von 1933 bis 1974 wurde die Firma von Elisabeth Feller geleitet. Die Tochter des Firmengründers Adolf Feller setzte sich für die Gleichberechtigung des weiblichen Personals ein. Sie war international vernetzt und aktiv und war unter anderem Präsidentin der International Federation of Business and Professional Women. Dabei forderte sie vor allem gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Frauen.

1984 wurde die Feller AG an die französische Schneider Electric Gruppe verkauft, an einen straff hierarchisch organisierten Konzern also. Für Roger Karner, den CEO der Feller AG, ist klar, dass die familienfreundliche Tradition des Unternehmens auch in Zukunft weitergeführt wird. «Wir wollen moderne Arbeitsmodelle noch mehr fördern als bisher», erklärt er. «Unsere Erfahrung zeigt klar, dass wir die Zufriedenheit und die Identifikation der Mitarbeitenden mit der Firma mit innovativen Arbeitsmodellen fördern können.» Und weil der Erfolg einer Firma direkt von den Mitarbeitenden und deren Zufriedenheit abhänge, zahlten sich Vereinbarkeitsmassnahmen in jedem Fall aus. (2009/MA - 2010/aktualisiert)

Zahlen und Fakten

Feller 
FirmensitzHorgen
Gründungsjahr1909
Mitarbeitende438
Anteil der Frauen35 % aller Mitarbeitenden
8  % im Kader
0 % in der Direktion
Anteil Teilzeitarbeitende12 % aller Mitarbeitenden
28 % der Frauen
2 % der Männer
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit.
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit.

Kündigungsrate von lediglich 1,5 Prozent.
Kündigungsrate von lediglich 1,5 Prozent.