Empa

Preisträgerin des Prix Balance ZH 2014

 

Laudatio von Regine Sauter, Direktorin Zürcher Handelskammer

Ich hatte in letzter Zeit verschiedentlich Gelegenheit, die Empa, ihre Leistungen und vor allem ihre Exponenten näher kennenzulernen. Unter anderem hatte ich das Privileg, eine persönliche Führung durch ihren Direktor, Prof. Gian-Luca Bona, durch die Räumlichkeiten in Dübendorf zu erhalten. Dabei wurde mir noch plastischer vor Augen geführt, was ich theoretisch bereits wusste: Die Empa ist heute „Lichtjahre“ – um das technologische Vokabular zu benutzen, das hier passend ist – von der „Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt“ entfernt, als die ich sie in meiner Schulzeit kennenlernte, als wir bei unserer Tour d’Horizon über den Kanton Zürich das Glattal streiften.

Stattdessen darf der Kanton Zürich heute stolz darauf sein, Standort eines Unternehmens zu sein, dessen Forschungstätigkeiten international hohes Renommee geniessen, und das mit seinen Leistungen wesentlich dazu beiträgt, unseren Kanton als Innovationsstandort zu positionieren. Hier werden so coole Dinge wie z.B. eine Folie aus Solarzellen entwickelt, mit der man ganze Häuserfassaden einkleiden könnte, oder es werden in einem Experimentalgebäude Wohn- und Arbeitsformen von morgen erforscht. Hier wird ganz konkret an der Zukunft gearbeitet.

Was macht die Stärke der Empa aus? Es sind ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die herausragenden Leistungen, die der Empa einen Platz an der Weltspitze sichern, werden durch höchstqualifizierte Spezialistinnen und Spezialisten erbracht: Rund 960 Frauen und Männer aus über 50 Nationen. Diversity ist bei der Empa keine leere Floskel, sie wird gelebt und ist ein Erfolgsfaktor, das spürt man gerade auch als Besucherin vor Ort. Es kommt meines Erachtens denn auch nicht von ungefähr, dass die Empa sich Gedanken darüber gemacht hat, wie es gelingen kann, das Potential an Fachkräften möglichst optimal zu erschliessen. Die Empa braucht hochqualifizierte Fachkräfte, Forscherinnen und Forscher aus allen Bereichen der Naturwissenschaften; nur so kann sie ihre Top-Leistungen erbringen. Und solche finden sich nicht wie Sand am Meer – in der kleinen Schweiz schon gar nicht. Und ganz sicher kann man es sich nicht leisten, auf 50% solcher potentieller Mitarbeitenden – die Frauen – einfach zu verzichten, nur weil es diesen nicht möglich ist, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Diese Erkenntnis scheint am Anfang gestanden zu haben; daraus geworden ist eine ganze Palette von Massnahmen, die die Empa umsetzt, und Möglichkeiten, die sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anbietet. Wohlverstanden: Frauen und Männern. Ich muss gestehen, dass mich dies beeindruckt, denn gerade von einem Betrieb, den man als eher traditionell betrachtet, würde man dies nicht automatisch erwarten.

Flexible Arbeitszeitmodelle sind hier eine Selbstverständlichkeit, Teilzeitarbeit auf Führungsebene ist möglich, ebenso Jobsharing und zwar auch im Kaderbereich. Die Empa verfügt ausserdem über eine eigene Kindertagesstätte, die Möglichkeit des Home Office, sowie einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von 10 Tagen.

Rund 30% der Mitarbeitenden bei der Empa sind Frauen, was etwa dem Frauenanteil an der ETH entspricht. Auf Kaderebene sind es 20% Frauen. Offenbar trägt die gelebte Vereinbarkeitskultur dazu bei, dass die Empa für Frauen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird. Ganz sicher aber ist es ein Gewinn für alle Beteiligten: Der Empa gelingt es, qualifizierte Fachkräfte an Bord zu holen und bei der Stange zu halten. Den Mitarbeitenden wird es möglich, einen spannenden Beruf und ein erfülltes Privatleben zu vereinbaren. Und aus Sicht des Kantons Zürich und unseres Wirtschaftsstandortes können wir ganz einfach nur froh darüber sein, ein so fortschrittliches Unternehmen in unserer Region zu wissen.

Die Jury war vom sehr breiten und flexiblen Angebot der Empa überzeugt. Es zeige, dass die Empa sich der demographischen und arbeitsmarktrelevanten Herausforderungen bewusst sei, schreibt sie in ihrem Bericht. Sie verleiht der Empa deshalb den Prix Balance ZH.

Ganz herzlich gratuliere ich den Verantwortlichen der Empa zu dieser Auszeichnung. Ich freue mich, wenn Sie diesen Weg weitergehen können und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Christiane Löwe und André Schmid, Empa, und Laudatorin Regine Sauter
Christiane Löwe und André Schmid, Empa, und Laudatorin Regine Sauter