Bank Coop

Teilzeitarbeit ist auf allen Stufen möglich

Ein familienfreundliches Unternehmen
Ein familienfreundliches Unternehmen

Die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird bei der Bank Coop grossgeschrieben. Für ihr Engagement hat die Bank schon verschiedene Preise erhalten. Unter anderem wurde sie von der Familienmanagement GmbH als erstes Finanzinstitut mit dem Zertifikat «Familienbewusstes Unternehmen» ausgezeichnet.

«Bei uns ist Teilzeitarbeit auf allen Stufen möglich», erklärt Eveline Erne, stellvertretende Leiterin Competence Center Personal. Sie ist bei der Bank Coop die treibende Kraft hinter den verschiedenen Massnahmen, die während der vergangenen Jahre zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf umgesetzt worden sind. Eveline Erne ist Mutter eines schulpflichtigen Kindes und arbeitet 80 Prozent. Ihr Partner kümmert sich ebenfalls während mindestens eines Tages pro Woche um das Kind.

Die Bank Coop hat den Anteil der Teilzeit arbeitenden Männer in den letzten sechs Jahren von 5 auf 9 Prozent, jenen der Frauen von 38 auf 41 und jenen des Kaders von 14 auf 25 Prozent erhöht. Eveline Erne könnte mit dem Erreichten also zufrieden sein. Sie will aber mehr. Vor allem möchte sie, dass die Bank Coop nach 2005 auch im Jahr 2011 wieder den Prix Egalité des Kaufmännischen Verbandes der Schweiz erhält, und damit nach innen und nach aussen zeigt, dass sie in Sachen Gleichstellung weiterhin die Nase vorne hat.

Bestmögliche Arbeitsbedingungen als Ziel
«Wir können gar nicht anders, als verschiedene Teilzeitmodelle zu forcieren», erklärt Eveline Erne. «Wir wollen uns als attraktive Arbeitgeberin positionieren und unseren Angestellten bestmögliche Arbeitsbedingungen bieten.» Zum Beispiel: individuelle Arbeitszeitgestaltung, Teleworking (Arbeit von zu Hause aus), Vaterschaftsurlaub (2 Wochen bezahlt und 4 Wochen unbezahlt) und verlängerten Mutterschaftsurlaub (16 Wochen bezahlt plus 8 Wochen unbezahlt), spezielle Teilzeitangebote für Wiedereinsteigerinnen, Unterstützung bei der Kinderbetreuung etc.

Genau wegen dieser attraktiven Arbeitsbedingungen hat sich Irène Hari, Kundenberaterin Kommerzkunden und Mutter eines schulpflichtigen Kindes, für die Bank Coop entschieden. Sie arbeitet 70 Prozent und kann ihre Arbeitszeit jeweils beim Stundenplanwechsel ihres Sohnes neu anpassen. Diese Flexibilität sei bei der Stellenwahl neben dem Salär ausschlaggebend gewesen: «Jetzt habe ich frei, wenn mein Sohn frei hat.» Das sei hohe Lebens- und Arbeitsqualität. Ihre Vorgesetzten, alles Männer, hätten «absolutes Verständnis» für ihre Situation. Das bestätigt auch Christian Lüdi, Vater von zwei Kindern und Gruppenleiter im Call Center: «Wenn eines der Kinder krank ist, kann ich ohne Probleme zu Hause bleiben. Da gibt es überhaupt keine Diskussionen.»

Vereinbarkeit ist im Leitbild verankert
In ihrem Leitbild verpflichtet sich die Bank Coop, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Aus diesem Grund subventioniert sie die externe Kinderbetreuung ihrer Angestellten mit. In den Genuss einer finanziellen Unterstützung kommen alle Mitarbeitenden, bei denen das jährliche Familieneinkommen 120 000 Franken nicht übersteigt. Der Beschäftigungsgrad hat keinen Einfluss auf die Höhe der Subventionierung. Ferner können sich die Mitarbeitenden beim Familienservice zu allen Fragen rund um die Bereiche Childcare und Homecare sowie auch zum Bereich Eldercare kostenlos beraten lassen. Eine Forschungsarbeit habe gezeigt, dass sich zehn Prozent der Mitarbeitenden um kranke Familienangehörige oder Partnerinnen und Partner kümmerten und damit oft vor anspruchsvollen Situationen stünden, erklärt Eveline Erne. Aber thematisiert würde diese Form der Vereinbarkeit am Arbeitsplatz kaum. «Das ist nach wie vor ein Tabuthema.» Sie will erreichen, dass die Bank Coop auch hier mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten Pionierarbeit leistet.

Um den Frauenanteil unter den Beschäftigten auch in Zukunft hoch zu halten oder gar noch zu erhöhen, hat die Bank Coop verschiedene Massnahmen ergriffen. So hat die Gendergerechtigkeit bei Stellenausschreibungen einen hohen Stellenwert und es wird darauf verzichtet, möglichst viele Kernkompetenzen aufzulisten. Grund: «Unsere Erfahrung zeigt, dass dies Frauen im Gegensatz zu Männern abschreckt», erklärt Eveline Erne.

Bei der Auswahl von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stützen sich die Personalverantwortlichen auf IESKO (pdf), das Instrument zur Erfassung von Schlüsselkompetenzen. Sein Einsatz verlangt von den Vorgesetzten, dass sie für jede Stelle Schlüsselkompetenzen festlegen. Beim Bewerbungsgespräch wird gezielt nach diesen Schlüsselkompetenzen gefragt. Dabei werden nicht nur berufliche, sondern auch ausserberufliche Kompetenzen erfasst, wie beispielsweise Konfliktfähigkeit, Organisations- und Delegationsfähigkeit. Das erhöht die Chancen von Bewerberinnen und Bewerbern, die sich bisher auch schon der Familienarbeit oder der Pflege von Angehörigen gewidmet haben.

Begründungspflicht für 100%-Inserate
Bei allen Stellenausschreibungen der Bank Coop muss vorgängig überprüft werden, ob die betreffende Arbeit auch in einem Teilzeitpensum erledigt werden kann. Wer eine 100-Prozent-Stelle ausschreiben will, muss das schriftlich begründen. Vor sechs Jahren sei dies noch umgekehrt gewesen, erklärt Eveline Erne. Der Kulturwandel geht mit weiteren Auswirkungen einher: Mitarbeitende, die ihr Pensum reduzieren möchten, reichen ihr Gesuch auf einem entsprechenden Formular ein. Dort ist auch ersichtlich, an wen sie sich im Fall eines Konflikts mit dem oder der Vorgesetzten wenden können. So können Auseinandersetzungen und Unklarheiten zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften vermieden werden.

Eveline Erne hat – mit tatkräftiger Unterstützung der Geschäftsleitung – aus der Bank Coop eine der familienfreundlichsten Unternehmungen der Schweiz gemacht. Dabei hat sie festgestellt, dass «sehr vieles geht, ohne dass man viel Geld in die Hand nehmen muss». Es komme auf das Commitment insbesondere der Geschäftsleitung an. Und: «Wir müssen auch ständig dranbleiben.» Dass dies bei ihr persönlich der Fall ist, darüber zweifelt nicht, wer mit ihr über die Themen Gleichstellung oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie spricht.

Klar ist auch, dass Eveline Erne alles unternehmen wird, damit ihre Arbeitgeberin im Jahr 2011 vom Kaufmännischen Verband der Schweiz erneut den Prix Egalité erhält. Dann nämlich wird die Bank Coop wieder zugelassen sein – als vormalige Gewinnerin durfte sie in den letzten Jahren nicht mitmachen. Das hat Eveline Erne gar nicht gefallen. Immerhin hat ihr der kaufmännische Verband schriftlich bestätigt, dass die Bank Coop bei der diesjährigen Umfrage wieder «hervorragend» abgeschlossen hat. (2009/MA - 2010/aktualisiert)

Bank Coop bleibt dran.
Bank Coop bleibt dran.

Zahlen und Fakten

Bank Coop 
FirmensitzBasel
Gründungsjahr1927
MitarbeitendeRegion Zürich: 79
schweizweit: 716
Anteil Frauen42,3 % aller Mitarbeitenden
28,6 % im Kader
6,7 % in der Direktion
Anzahl Teilzeitarbeitende23,6 % aller Mitarbeitenden
42,5 % der Frauen
10,3 % der Männer
Hoher Frauenanteil im Kader.
Hoher Frauenanteil im Kader.