Arnold. Inhalt und Form

Die Mitarbeitenden nicht einfach gehen lassen

Urs Arnold führt die Stäfener Agentur.
Urs Arnold führt die Stäfener Agentur.

Die Agentur Arnold. Inhalt und Form AG in Stäfa beschäftigt einen grossen Teil ihrer Mitarbeitenden in Teilzeit, damit diese ihre Kinder betreuen können. Denn die Agentur will gute Leute nicht einfach gehen lassen, wenn sie Familien gründen.

Es ist ein einziger grosser Raum, zuoberst in einem Industriegebäude in Stäfa, in dem die Kreativen der Arnold. Inhalt und Form AG ihre Ideen gestalten und versprachlichen. Die Atmosphäre ist hell und offen. Einige Kabäuschen aus Holz strukturieren den Raum. Sie beherbergen zwei abgeschlossene, ruhige Arbeitsplätze, ein Sitzungszimmer, eine Küche sowie ein Druck- und Schnittzentrum. Alle persönlichen Arbeitsplätze stehen im offenen Raum, nahe beieinander. Die Wände hinter den Tischen sind tapeziert mit den laufenden Arbeiten. So gibt es nur einen Ort des Geschehens, und alle Mitarbeitenden kennen den Stand aller Arbeiten. Informationen tauschen sie direkt aus. Diese räumliche Gestaltung ist neu. Man wollte damit erreichen, dass auch Teilzeitmitarbeitende stets auf dem Laufenden sind. Die Kommunikationswege sollten verkürzt werden.

Von 24 Mitarbeitenden der Kommunikations- und Gestaltungsagentur arbeiten 17 Teilzeit. Hinzu kommen einige Freelancer, die hin und wieder für Arnold arbeiten. Alle Teilzeitmitarbeitenden haben Kinder. «Wir sind eine gebärfreudige Bude», sagt Urs Arnold, Gründer und Geschäftsleiter der Arnold. Inhalt und Form AG, und lacht. Er zählt nach: Fünf Kinder von Mitarbeitenden sind letztes Jahr zur Welt gekommen, zwei weitere sind unterwegs. Die Altersstruktur der Firma bringe es halt mit sich, dass in diesen letzten zwei Jahren viele seiner Mitarbeitenden Familien gegründet hätten, so Arnold. Da habe man in jedem Fall nach Lösungen gesucht, wie die jungen Eltern ihre Familie mit der Arbeit in Einklang bringen könnten. «Bei uns hat sich das einfach so entwickelt. Es ist relativ banal: Die Frauen haben Kinder bekommen und wollten weiter arbeiten. Und wir wollten sie nicht gehen lassen. So hat sich das ergeben», sagt Arnold und weist darauf hin, dass der Frauenanteil in seiner Branche grundsätzlich hoch sei. Von den Männern in seiner Firma ist einer kürzlich Vater geworden. Und dieser arbeitet heute Teilzeit in einer leitenden Position. Arnold stellt klar: «Eigentlich handeln wir vollkommen egoistisch. Wir geben keine Almosen.»

Eine ganz persönliche Haltung
Urs Arnold will gute Leute nicht gehen lassen und findet es wunderbar, wenn sie Familien gründen. Seine Haltung lautet: «Wir arbeiten in einem Personenbusiness. In unserem Metier kommt man nicht einfach ins Büro, um Geld zu verdienen. Es ist mehr Berufung als Beruf.» Wer kreativ tätig sei, gebe mit jeder Arbeit etwas Persönliches preis und mache sich verletzbar. Darum entstehe ein ganz anderes Beziehungsfeld als in anderen Branchen. Und darum wolle er auch nicht Ersatz finden müssen für Mitarbeitende, die in sein Team passen. «Die Leute gehören irgendwann einfach zu uns», sagt Arnold. Die Vorteile sieht er auf beiden Seiten: Die Mitarbeitenden kennen seine Firma, und er kennt ihre Leistung. Dadurch, dass sie weiterarbeiten, verlieren sie nie den Anschluss, bleiben fit und anstellungsfähig. «Es ist ein Geben und Nehmen.»

Der Umgang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie kommt aber auch aus einer ganz persönlichen Haltung: «Ich will das einfach ermöglichen. Ich habe selber drei Töchter. Meine Frau und ich haben damals ein ganz klassisches Modell gelebt. Dabei wollten wir das gar nie. Es hatte sich so ergeben.» Heute seien die Frauen in der Schweiz sehr gut ausgebildet, und junge Familien würden sich bewusster für ein bestimmtes Familienmodell entscheiden. Für die Wirtschaft wäre es ein Verlust, meint Arnold, diese gut ausgebildeten Arbeitskräfte, in die auch der Staat investiert habe, nicht zu nutzen.

«Die Realität ist oft chaotisch»
Einfach ist die Umsetzung dieser Grundhaltung aber nicht. «Wir sind ständig am Organisieren. Es ist eigentlich ein Chrampf», sagt Arnold. Das beginne bei der Ferienplanung und sei bei der Projektplanung nicht weniger kompliziert. Zudem setze es die Bereitschaft aller voraus – auch jener, die Vollzeit arbeiten und hin und wieder etwas von einer Teilzeit arbeitenden Kollegin übernehmen müssten. «Im Zusammenleben ist das nicht immer ein Honigschlecken.» Besonders schwierig wird die Organisation bei Aufträgen, die Konstanz erfordern. Einige Kundinnen und Kunden verlangen immer nach derselben Ansprechperson. Arnold dazu: «So betrachtet macht uns unser Umfeld eigentlich die Probleme mit unserer Haltung. Es ist nicht so, dass man einfach guten Willens sein kann. Es ergeben sich daraus auch Probleme, weil man die Kundeninteressen nicht vergessen darf.»

Dass die Agentur dennoch an ihrer Grundhaltung festhalten kann, verdankt sie wohl auch der «Natur» ihres Geschäfts. Aufgrund des Arbeitfeldes sind die Mitarbeitenden geübt, spontan zu reagieren und Aufgaben auch unter chaotischen Umständen zu lösen. «Wir arbeiten schon möglichst strukturiert, aber die Realität ist oft chaotisch», sagt der Geschäftsführer. Diese Übung im schnellen Reagieren auf wechselnde Umstände erleichtert auch die Koordination unter Vollzeit- und Teilzeitmitarbeitenden.

Die Zukunft sieht anders aus
Langfristig aber, so glaubt Arnold, werden diese äusseren Zwänge wohl verschwinden. «Ich glaube, dass die Vermischung von Privatem und Beruflichem zunehmen wird. Und das ist auch in Ordnung, wenn man sich so organisiert, dass alle davon profitieren können.» Denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei ein grosses Bedürfnis in der Gesellschaft und die Wirtschaft müsse darauf reagieren. Wenn die gesamte Wirtschaft dieser Entwicklung Rechnung trage, dann veränderten sich auch die gegenseitigen Erwartungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie würde für alle viel leichter. «Ich glaube ganz fest, dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist», sagt Arnold und ruft seinen Mitarbeitenden, der seit kurzem Vater ist, zu sich. Ein Kunde wartet auf die beiden. (EI/2010)

Zahlen und Fakten

Arnold. Inhalt und Form 
FirmensitzStäfa (ZH)
Gründungsjahr1989
MitarbeitendeKanton Zürich: 24
Anzahl Fraueninsgesamt: 15
im Kader: es gibt kein eigentliches Kader
in der Geschäftleitung: 0
Anzahl Teilzeitarbeitendeinsgesamt: 17
Frauen: 11
Männer: 6
Kreative Ideen von 24 Mitarbeitenden.
Kreative Ideen von 24 Mitarbeitenden.