Poun und Shopearon Pin – Programmierer und Laminiererin bei der Ernst Schweizer AG

«Unser Modell hat nur Vorteile für uns»

Poun und Shopearon Pin

Poun und Shopearon Pin haben einen 21 Monate alten Sohn. Sie arbeiten beide Vollzeit bei der Metallbaufirma Ernst Schweizer AG in Hedingen und kümmern sich gemeinsam um den Sohn Sopanya. Poun Pin ist vor 31 Jahren aus Kambodscha in die Schweiz geflohen, seine Frau Shopearon kam vor etwas mehr als drei Jahren aus Thailand.

Was ist Ihre Aufgabe in der Firma Ernst Schweizer AG?

Poun Pin: Ich bin eigentlich als Programmierer angestellt, arbeite aber auch regelmässig in der Werkstatt oder in der Stanzerei. Ich bin überall ein wenig anzutreffen: manchmal im Büro und manchmal draussen. In der Werkstatt arbeite ich vor allem mit Blech für Fassaden und Sonnenkollektoren.
Shopearon Pin: Ich arbeite in der Sparte Sonnenenergie in der Werkstatt und bediene dort die Laminiermaschine.

Sie haben einen gemeinsamen Sohn. Wie war das nach seiner Geburt? Haben Sie beide Urlaub bekommen?

Poun Pin: Als Sopanya zur Welt kam, nahm ich einen Monat lang Ferien, um meine Frau zu unterstützen. Während dieses ersten Monats kümmerten wir uns zusammen um das Kind und konnten so herausfinden, was wir überhaupt brauchten. Danach hatte meine Frau noch zwei Monate lang Mutterschaftsurlaub.

Nun arbeiten Sie beide Vollzeit. Warum?

Poun Pin: Für uns war klar, dass wir zu dritt mit einem Lohn nicht auskommen würden. Dann haben wir gedacht, wenn Shopearon bei der Ernst Schweizer AG auch Vollzeit arbeiten kann – warum nicht? Wir können unsere Schichten aufeinander abstimmen, das geht ganz gut. Wenn das nicht gegangen wäre, hätten wir natürlich eine andere Lösung finden müssen.
Shopearon Pin: Für mich war es wichtig, dass ich arbeiten konnte. Ich wollte nicht ausschliesslich zu Hause sein.

Kam eine Teilzeitanstellung für Sie gar nicht in Frage?

Poun Pin: Nein, eigentlich nicht. Meiner Frau wurde eine Vollzeitstelle angeboten, und wir waren froh darüber. Wenn es für sie nicht möglich gewesen wäre, Vollzeit zu arbeiten, hätten wir das schon gesagt und wohl eine Lösung mit dem Arbeitgeber finden können. Aber es ist für uns auch eine Sicherheit: Wenn mir einmal etwas passieren sollte, hat meine Frau immer noch eine Arbeit.

Das heisst, Sie können die Kinderbetreuung ohne fremde Hilfe wahrnehmen, obwohl Sie beide Vollzeit arbeiten?

Poun Pin: Ja, genau. Wenn zum Beispiel meine Frau in der Frühschicht von sechs Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags arbeitet, arbeite ich in der Spätschicht von drei Uhr nachmittags bis Mitternacht. Wer nicht bei der Arbeit ist, kümmert sich um Sopanya.

Wie bringen Sie Ihre Schichten aneinander vorbei?

Poun Pin: Das ist normalerweise überhaupt kein Problem. In der Abteilung meiner Frau werden die Früh- und Spätschichten jeweils zugeteilt. Ich passe dann meine Schichten dem Einsatzplan meiner Frau an.
Shopearon Pin: Er kann das meistens mit seinem Chef besprechen und ihm sagen, wann er welche Schichten möchte.
Poun Pin: Wir können mit unserem Chef reden. Das ist alles kein Problem. Alle hier kennen unsere Situation, und mein Chef kommt uns entgegen, wann immer möglich. Wir erfahren hier sehr viel Verständnis.

Ist es für Sie denn nicht sehr schwierig, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen?

Shopearon Pin: Nein, für mich geht das gut. Der Vorteil ist, wir können uns selber organisieren, und dann haben wir immer auch noch die Samstage und Sonntage, an denen wir die gemeinsame Familienzeit geniessen können. Dass wir das zusammen so machen, schafft auch unter uns als Eltern und Partner ein gegenseitiges Verständnis. Mein Mann versteht und unterstützt mich; er kocht und wäscht und kümmert sich um unseren Sohn, wenn ich arbeite, so wie ich das mache, wenn er arbeitet.
Poun Pin: Ja, wir teilen uns die Hausarbeit. Meistens machen beide alles. Allerdings kümmert sich schon vor allem meine Frau um die Ordnung im Haus. Samstags putzen wir gemeinsam und am Sonntag geniessen wir das Zusammensein.

Sie, Herr Pin, verbringen möglicherweise mehr Zeit mit Ihrem Sohn als viele Väter, obwohl Sie nicht weniger arbeiten …

Poun Pin: Ja, das ist toll für mich. Wenn meine Frau beispielsweise Frühschicht hat, bringe ich sie zur Arbeit. Danach gehen Sopanya und ich nach Hause, und er schläft noch einmal ein bisschen, bis wir gemeinsam frühstücken. Dann gehen wir meist nach draussen auf den Spielplatz in der Siedlung. Nach dem Mittagessen ist es schon bald wieder Zeit, meine Frau abzuholen. Dann nehme ich mit meinem Sohn den Zug nach Hedingen, wo ich ihn direkt meiner Frau übergebe. Ich beginne mit meiner Schicht, und die beiden fahren wieder nach Hause.

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Arbeitgeber, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeht?

Poun Pin: Ja, sehr. Wir erfahren viel Unterstützung und können dadurch unser individuelles Modell gut umsetzen.

Wie reagierte Ihr berufliches Umfeld auf Ihre neue Situation?

Poun Pin: Der Chef unterstützt mich, und meine Kolleginnen und Kollegen nehmen das sehr gut auf. Viele von ihnen haben selber Kinder, und als die noch klein waren, haben sie das Problem der Betreuung ebenso gelöst. Darum verstehen sie unsere Situation.
Shopearon Pin: Es gibt natürlich verschiedene Ansichten. Viele finden unser Modell toll. Andere meinen, es sei nicht gut für unser Kind, dieses Hin und Her. Aber Sopanya lernt sehr viel, zum Beispiel neue Wörter beim Zugfahren, weil er aus dem Fenster schaut und viele Dinge erspäht (lacht).

Wenn Sie später Ihr Arbeitspensum doch noch reduzieren wollen, denken Sie, das wäre möglich?

Poun Pin: Das wäre bestimmt möglich. Wir haben in der Firma viele Leute, die Teilzeit arbeiten. Bei meinen Kollegen und Kolleginnen im Büro ist auch Telearbeit von zu Hause aus recht verbreitet.
Shopearon Pin: Zurzeit finde ich es toll zu arbeiten. So komme ich in Kontakt mit anderen Leuten, denn ich muss noch besser Deutsch lernen. Das kann ich nicht, wenn ich immer zu Hause bin. So wie wir es gelöst haben, können wir uns ohne fremde Hilfe um unseren Sohn kümmern. Ich bin froh, dass wir das können, denn ich finde, unser Kind ist noch etwas zu klein, um fremdbetreut zu werden. Ich finde, dass das alles nur Vorteile hat und kaum Nachteile. Aber wenn es nicht so gut ginge wie jetzt, müssten wir eben jemanden finden, der oder die sich zu gewissen Zeiten um das Kind kümmert.

Wie planen Sie Ihre Zukunft mit der Familie?

Poun Pin: Bald erhalte ich den Schweizer Pass, und dann will ich zuerst einmal mit Shopearon und Sopanya in meine Heimat Kambodscha reisen und meine Familie dort besuchen. Später möchten wir, wenn alles so gut weiterläuft, gerne noch ein zweites Kind haben (beide lachen).

Wenn die Kinder älter sind, werden Sie beide dann ein anderes Modell leben wollen?

Shopearon Pin: Wenn mein Sohn gross ist, würde ich gerne aus dem Schichtbetrieb wechseln und so genannt normale Arbeitszeiten haben. Wenn er 18 Jahre alt ist, braucht er uns ja tagsüber nicht mehr.

(EI/2010)

Das Paar arbeitet im selben Betrieb.