Eliane Jampen - Schreinerin in Ausbildung

«Man muss wissen, was man will – dann klappt es»

Eliane Jampen

Eliane Jampen ist 31 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Während der vergangenen Jahre hat sie tageweise als Allroundhandwerkerin gearbeitet. Jetzt absolviert sie eine Schreinerlehre – im Teilzeitpensum.

Eliane Jampen, Sie sind 31 Jahre alt und haben vor kurzem eine Lehre als Schreinerin begonnen. Weshalb?

Ich habe nie eine Erstausbildung abgeschlossen und konnte mir während der vergangenen Jahre wegen der Familie eine Ausbildung schlicht nicht leisten.

Sie haben während der vergangenen Jahre immer Teilzeit gearbeitet – unter anderem als Allroundhandwerkerin beim Zürcher Theater Herzbaracke.

Bei meinen verschiedenen Tätigkeiten war ich oft unterfordert. Für anspruchsvolle Arbeiten fehlten mir jedoch dann und wann das Wissen und die Fertigkeiten. Das meiste hatte ich mir ja selber beigebracht. Vor einigen Jahren wurde der Wunsch, es richtig zu lernen, immer grösser. Ich spüre jetzt einen grossen Drang und eine grosse Lust, mich aus- und weiterzubilden.

Weshalb haben Sie sich gerade für die Ausbildung zur Schreinerin entschieden?

Ich mache diese Arbeit gern. Sie ist sehr vielseitig und liegt mir. Ich mag es, nach kreativen Lösungen zu suchen, und ich arbeite gern mit Holz.

Das Besondere an Ihrer Ausbildung ist, dass Sie sie im Teilzeitpensum machen.

Ich bin immer noch überrascht, dass das überhaupt geklappt hat.

Was ist der Grund dafür?

Ich wusste, dass ich das will und sicher nichts anderes.

Sie hatten also ziemlich klare Vorstellungen?

Ja, es war mir von Anfang an klar, dass ich neben Arbeit und Schule auch noch Zeit für meine beiden Kinder haben möchte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ans Ziel gelangt, wenn man weiss, was man will, auf die Leute zugeht und ihnen erklärt, was man für Vorstellungen hat. Gleichzeitig war ich auch flexibel und bereit zu Kompromissen. Ich hatte zudem die Möglichkeit, mit einem Praktikum in einer Schreinerei einzusteigen und herauszufinden, ob es funktioniert.

Haben Sie denn als 31-jährige Frau sofort eine Lehrstelle als Schreinerin gefunden?

Es hat schon etwas gedauert, bis ich fündig wurde. Ich habe auch einige Absagen erhalten.

Weshalb?

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Verschiedene Arbeitgeber hatten grundsätzliche Vorbehalte wegen der Teilzeitarbeit. Sie argumentierten, so könne man nicht an der Arbeit dranbleiben. Und sie hatten auch Bedenken wegen der Reaktionen der anderen Mitarbeiter. Einige Arbeitgeber wollten auch schlicht und einfach keine Frau einstellen.

Wie ist es denn überhaupt möglich, eine Lehre zu absolvieren, wenn man Teilzeit arbeitet?

Vor zwei Jahren informierte ich mich darüber beim Berufsbildungsamt des Kantons Zürich. Dort versicherte man mir, dass eine Lehre in Teilzeit kein Problem sei. Ich müsse einfach einen Arbeitgeber finden, der mitmache.

Und den haben Sie offensichtlich gefunden.

Ich habe eine ideale Lösung gefunden. Ich arbeite vorerst für ein Jahr bei der Schreinerei Rundumholz in Zürich, angestellt bin ich aber bei einem Lehrbetriebsverbund. Mein Lehrmeister vom Lehrbetriebsverbund besucht mich regelmässig. Ausgebildet werde ich aber von meinen beiden Chefinnen bei Rundumholz, die auch beide Teilzeit arbeiten.

Gehört Teilzeitarbeit in Ihrem Lehrbetrieb zur Unternehmenskultur?

Meine beiden Chefinnen arbeiten 80 Prozent. Sie sind sehr flexibel und haben Verständnis für meine Situation.

Was sagt man in der Berufsschule zu Ihrer Lösung?

Da ist man sehr unkompliziert. Ich konnte auch mitten im Semester einsteigen und bin sehr offen aufgenommen worden – von den Fachlehrern wie auch von den Kolleginnen und Kollegen.

Ich nehme an, dass Ihre Lehrlingskolleginnen und -kollegen um einiges jünger sind als Sie.

Das ist überhaupt kein Problem. Ich habe mich darauf eingestellt, und es klappt sehr gut. In meiner Klasse hat es neben zwei jungen Frauen auch noch einen Mann in meinem Alter, der ebenfalls Kinder hat.

Sie haben während der letzten zehn Jahre immer Teilzeit gearbeitet.

Für mich war immer klar, dass ich nicht hundert Prozent arbeiten will. Nach der Geburt des zweiten Kindes arbeitete ich lediglich einen Tag pro Woche. Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Schritt zu machen und mein Arbeits- und Schulpensum zu erhöhen.

Wie organisieren Sie sich im Alltag?

Einen Tag kommt meine Mutter, einen Tag hütet mein Lebenspartner die Kinder und an einem Tag sind sie bei einer Nachbarin.

In einen Hort oder eine andere Betreuungsinstitution wollten Sie Ihre Kinder nicht bringen?

Ich habe für mich und meine Kinder eine optimale Lösung gefunden. Ich bin froh, dass sie immer in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können, auch wenn ich abwesend bin und arbeite.

Und was ist, wenn die Kinder einmal krank sind?

Mit meiner Lösung kann ich gut improvisieren. Ich habe genügend Unterstützung aus der Familie und dem Bekanntenkreis.

Dann sind Sie zufrieden mit Ihrer Situation?

Ich finde das super – ich bin extrem erleichtert und glücklich, dass jetzt alles so gut klappt, was ich mir vor zwei, drei Jahren ausgedacht habe.

(2009/MA)

Schreinerlehre im Teilzeitpensum.

Erstausbildung trotz Familie abschliessen.