Boris Ichsanov - Customer Support Engineer bei SR Technics

«Wir wollen uns als Familie, als Individuen und auch beruflich weiterentwickeln»

Boris Ichsanov

Boris Ichsanov, 33, ist Vater von kleinen Zwillingen. Er arbeitet zu 80 Prozent als Customer Support Engineer bei der SR Technics. Einen Tag pro Woche kümmert er sich um seine Kinder. Sein Engagement für die Familie schmälert zwar seine Karrierechancen. Dafür kann er eine Beziehung zu den Kindern aufbauen. Und das ist ihm wichtig.

Boris Ichsanov, wann haben Sie sich entschieden, Ihr Arbeitspensum zu reduzieren?

Da meine Frau sich in Ausbildung befindet, war für uns schon vor der Schwangerschaft klar, dass wir uns beide um die Erziehung unserer Kinder kümmern werden. Dazu haben wir beide die gleiche Einstellung. Und irgendwie entspricht das auch dem Zeitgeist.

Sehen Ihre Vorgesetzten das auch so?

Das weiss ich nicht im Detail. Als meine Frau schwanger wurde, habe ich meinen Antrag für eine Pensumsreduktion gestellt und meine Ansichten und Wunschvorstellungen dargelegt.

Und – wurde der Antrag sofort bewilligt?

Es gab dann ein Gespräch und meine Anliegen wurden auch nicht sofort als Selbstverständlichkeit betrachtet. Aber mein Antrag wurde ohne grösseren Widerstand bewilligt.

Was heisst «ohne grösseren Widerstand»?

Mein direkter Vorgesetzter hat mich von Anfang an unterstützt und er hat zuhanden des Personalchefs eine Empfehlung abgegeben.

Wie haben Ihre Arbeitskollegen reagiert?

Sehr positiv. Für sie heisst mein freier Montag aber auch eine gewisse Mehrbelastung. Wenn es während meiner Abwesenheit etwas Dringendes zu erledigen gibt, müssen meine Kollegen für mich einspringen. Ich habe aber noch nie irgendeinen Vorwurf gehört.

Und wie reagieren Ihre Kundinnen und Kunden, wenn Sie tageweise nicht erreichbar sind?

Ich aktiviere im Outlook jeweils eine «Out of Office Message» mit dem Hinweis, dass ein Arbeitskollege für dringende Fragen zur Verfügung steht – und wenn’s ganz dringend ist, kann man mich jederzeit übers Handy erreichen. Somit steht den Kundinnen und Kunden immer jemand zur Verfügung. Und schliesslich ist es ja nur ein Tag pro Woche – der Montag.

Wie sieht denn Ihr freier Montag aus?

So frei ist der gar nicht: vor dem Morgenessen Windeln wechseln, dann Hausarbeiten erledigen, abwaschen, staubsaugen, dann zu Mittag kochen. Wenn die Kleinen ihren Mittagsschlaf machen, checke ich meine Mails und beschäftige mich wieder mit dem Haushalt. Manchmal bleibt etwas Zeit, um mich zu erholen, beispielsweise ab und zu mit dem Zwillingswagen im nahe gelegenen Irchelpark zu joggen.

Sind Sie mit den Gedanken oft im Geschäft?

Meist morgens und abends, dazwischen nehmen mich die Bébés voll in Beschlag, und es bleibt kaum Zeit, an etwas anderes zu denken.

Wie ist das?

Eigentlich sehr schön. Es gibt schon Tage, an denen ich mich frage, ob ich es im Büro nicht ruhiger hätte, aber die Zeit mit den Kindern ist es mir wert.

Weshalb?

So kann ich eine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen. Unsere Kinder gehen jeweils vor 19 Uhr ins Bett. Wenn ich um 18 Uhr von der Arbeit nach Hause komme, kann ich mich in der Regel gerade noch von ihnen verabschieden. Da bleibt mir nur das Wochenende.

Und wie geht es Ihnen am Montagabend, wenn die Kleinen im Bett sind?

Dann kann ich endlich aufatmen, meistens bin ich aber zu müde, um noch irgendetwas zu unternehmen.

Verbauen Sie sich nicht Ihre Karrierechancen, wenn Sie so viel Zeit mit den Kindern verbringen und dafür am Arbeitsplatz fehlen?

Zurzeit läuft in unserer Firma eine Reorganisation. Ich befürchte, dass mein reduziertes Arbeitspensum meine Chancen auf eine Beförderung schon etwas schmälern könnte.

Sie könnten Ihre Kinder ja am Montag in eine Krippe geben, dann hätten Sie sicher bessere Chancen.

Ja, das könnten wir. Aber sie sind bereits während zwei Tagen pro Woche in der Krippe. Auf meinen Montag mit ihnen will ich einfach nicht verzichten. Denn es bedeutet mir sehr viel, mit ihnen zusammen zu sein. Ich will eine enge Beziehung zu ihnen. Ich bin nicht ihr Götti oder ein Onkel. Ich bin ihr Vater.

Welche finanziellen Konsequenzen hat das Engagement für Ihre Kinder?

Ein Fünftel weniger Lohn. Das spüren wir sehr deutlich, denn meine Frau geht ja wieder zur Schule. Wir müssen schon aufs Geld schauen. Die Krippe für die beiden Kinder ist ja auch nicht kostenlos.

Und trotzdem machen Sie es …

Das Studium meiner Frau ist ein weiterer wichtiger Grund dafür. Jemand muss ja nach den Kindern sehen, während sie in der Schule ist.

Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Beziehung?

Es stärkt unsere Verbindung. Es zeigt, dass wir füreinander da sind. Meine Frau für mich und ich für sie. Das eigene Leben sollte ja nicht nach der Geburt der Kinder aufhören. Und wir wollen uns sowohl als Familie, als Individuen wie auch beruflich weiterentwickeln. Dies erfordert viel Verständnis, Toleranz und Willen.

(2009/MA)

Vater von Zwillingen.

Familie Ichsanov.