Anna-Katharina Birkenmeier – Mutter, Studentin und Journalistin

«Der Ausgleich ist entscheidend»

Anna-Katharina Birkenmeier und Töchter

Anna-Katharina Birkenmeier ist 28, Mutter zweier Töchter und studiert Journalismus an der SAL Schule für angewandte Linguistik in Zürich. Ihre ältere Tochter ist acht Jahre alt, die jüngere kam vor zwei Jahren während der Studiums zur Welt. Anna-Katharina Birkenmeier ist jetzt im letzten Semester und hat bereits begonnen, als Journalistin zu arbeiten.

Wollten Sie es so, dass Ihr zweites Kind noch während des Studiums zur Welt kommt?

Das war zwar von Beginn an mein Wunsch, aber nicht beschlossene Sache. Als ich dann sah, dass ich an meiner Schule, der SAL, sehr flexibel studieren konnte, war aber klar, dass wir unter diesen Umständen noch vor meinem Abschluss ein zweites Kind wollten – und es ging wunderbar auf. Sogar der Zeitpunkt, zu dem ich schwanger wurde, war ideal. Ich konnte während der Schwangerschaft in Ruhe meine Semesterprüfungen ablegen, und unsere Tochter kam danach in den Semesterferien zur Welt.

Was heisst das, wenn Sie sagen, Sie können flexibel studieren?

Ich konnte meinen Stundenplan selber erstellen und die Schulstunden so wählen, dass sie zum Tagesablauf meiner Kinder passten. Auch die Anzahl Stunden pro Woche konnte ich bestimmen. Diese Flexibilität vonseiten der Schule hat mir vieles erleichtert. Auch während meiner Schwangerschaft war es kein Problem, wenn ich mehr Absenzen hatte als andere. Es waren tatsächlich optimale Bedingungen für eine Mutter. Die SAL hat ja auch die Zertifizierung nach «Modell F», was die berufliche Weiterbildung flexibel und mit allen anderen Lebensbereichen leichter vereinbar machen soll.

Dennoch muss es ziemlich streng sein, sich neben der Familie intensiv mit Lernstoff auseinanderzusetzen. Wie sind Sie mit dieser Herausforderung umgegangen?

Einerseits erleichterte mir das die Schule sehr. Ich wusste, dass ich mich jederzeit mit der Schulleiterin zusammensetzen konnte. Sie kümmert sich ganz individuell um die Studierenden. Wenn es eng wurde, fanden wir immer eine Lösung. Andererseits war der geistige Input während des Studiums für mich sehr wichtig. Ich fand es entspannend – gerade als die zweite Tochter noch ganz klein war –, regelmässig zur Schule zu gehen, mich mit etwas anderem zu beschäftigen und kognitiv herausgefordert zu sein. Dazu gehörte auch der Austausch mit den Studierenden, die mit ganz anderen Themen beschäftigt waren als dem Muttersein. Aber natürlich war es oft anstrengend, wenn an der Schule Abgabetermine anstanden. Das war nicht immer mühelos mit den Bedürfnissen der Familie zu vereinbaren. Trotzdem: Ich finde es sehr schön, Mami zu sein, und ich finde es noch schöner, Mami und berufstätig zu sein.

Warum wollten Sie überhaupt studieren?

Ich habe früher am Theater Basel Öffentlichkeitsarbeit gemacht und besass eine kaufmännische sowie eine Theaterausbildung. Aber ich hatte keinen Abschluss in PR oder Journalismus. Dennoch wusste ich, dass ich beruflich in der Kommunikationsbranche weiterkommen wollte. Darum war es mir wichtig, mich auf diesem Gebiet weiterzubilden. Mein Berufsziel war eigentlich, PR-Arbeit zu machen. Jetzt habe ich allerdings im Journalismus Fuss fassen können und gemerkt, dass mir das viel Spass macht. Es lässt sich auch wunderbar mit dem Muttersein vereinbaren, denn ich arbeite nicht fix in einer Redaktion, sondern von zu Hause aus. Ich bekomme regelmässig Aufträge von einer Textagentur. Da ich zurzeit viel Arbeit habe, bin ich mit meiner Diplomarbeit an der SAL noch nicht so weit gekommen ... das steht jetzt noch an.

Wie organisieren Sie denn heute Ihren Alltag mit den Kindern und der Arbeit?

Ich habe zum Glück eine sehr flexible Tagesmutter. Bei ihr kann ich die jüngere Tochter abgeben, wenn ich arbeiten muss. Die Kleine geht glücklicherweise sehr gerne zu ihr. Die ältere Tochter ist bei mir zu Hause. Ich kann sie beaufsichtigen, und sie versteht, dass ich mich konzentrieren muss, wenn ich im Arbeitszimmer bin. Derzeit arbeite ich ungefähr 50 Prozent. Das funktioniert ganz gut. Und wenn meine Kinder krank sind oder sonst ein Notfall eintritt, klinke ich mich bei der Agentur aus. Je nach Situation kann ich Aufträge annehmen oder ablehnen, das erleichtert mir die Koordination im Alltag sehr. Ich bin auch in der komfortablen Lage, dass ich nicht arbeiten muss, sondern darf.

Welche Rolle spielt Ihr Mann in diesem Berufs- und Familienalltag?

Er spielt darin keine grosse Rolle (lacht). Das klingt hart, aber er ist beruflich enorm engagiert. Er ist meist die ganze Woche über im Ausland. So manage ich meine Arbeitswoche mit den Kindern alleine. Das ist wunderbar so und in unserem Fall absolut sinnvoll. Mein Mann freut sich zudem, dass ich nach dieser langen Studienzeit wieder arbeiten kann. An den Wochenenden verbringen wir gemeinsam Zeit mit der Familie und treffen Freunde.

Was treibt Sie dazu an, diese Mehrfachbelastung auf sich zu nehmen?

Für mich ist der Ausgleich entscheidend. Kleine berufliche Erfolge geben mir eine gewisse Bestätigung, die mir wichtig ist. Und als Mutter unternehme ich viel mit meinen Kindern. Zudem engagiere ich mich sehr gerne auch in der Schule oder bei den Hobbys meiner Töchter. Ich finde diese Form von Elternarbeit ebenso spannend. Mein Alltag gefällt mir.

Würden Sie sich rückblickend wieder für ein Studium während der Mutterschaft entscheiden?

Ja. Die Schule hat sich für mich als absoluter Glücksfall erwiesen. Sie erleichterte mir auch den Einstieg in den Beruf, weil viele Dozierende direkt aus der Praxis kommen. Und ich habe den richtigen Mix zwischen familiären und fachlichen Herausforderungen gefunden.
(EI/2010)

Erwerbsarbeit und Hausarbeit zusammenbringen

Anna-Katharina Birkenmeier kann von Zuhause aus arbeiten