Steuer- und Sozialsystem

Das Schweizer Steuer- und Sozialsystem begünstigt tendenziell das Alleinverdienermodell. Denn für die Kinderbetreuungskosten zahlen Eltern unter Umständen mehr, als der zweite Lohn einbringt. Damit Eltern die Berufs- und Familienarbeit frei unter sich aufteilen können, ohne finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen, müssen Fehlanreize im Steuer- und Sozialsystem beseitigt werden.

Das Steuer- und Sozialsystem, vor allem die Kinderbetreuungskosten, bestimmen massgeblich, ob und in welchem Umfang es für Eltern lohnenswert ist, zu arbeiten bzw. mehr zu arbeiten. Zu diesem Ergebnis kam «Familienfreundliche Steuer- und Tarifsysteme - Vergleich der Kantone Basel-Stadt und Zürich» von 2012.

Alleinverdienermodell begünstigt

Gemäss der Studie begünstigt das Steuer- und Sozialsystem in der Schweiz tendenziell ein Alleinverdienermodell. Es werden starke negative Anreize für die Aufnahme einer zweiten Erwerbsarbeit festgestellt, vor allem verursacht durch die Kosten für die familienergänzenden Kinderbetreuung. In den beispielhaft untersuchten Gemeinden bleibt Familien mit zwei Kindern im Vorschulalter nach Abzug von Steuern und Betreuungskosten nicht viel vom zweiten Erwerbseinkommen übrig, oder sie haben sogar finanzielle Nachteile. Diese negativen Anreize werden für die Familien zu starken Barrieren für die Aufnahme einer zweiten Erwerbsarbeit bzw. das Erwerbspensum zu erhöhen.

Teure Krippenplätze

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Bütler kommt in ihrer Studie für die Stadt Zürich «Arbeiten lohnt sich nicht – ein zweites Kind noch weniger» von 2006 zu ähnlichen Ergebnissen. Sie stellt fest, dass ein Krippenplatz sehr viel teurer wird, je mehr die Eltern arbeiten. Für Haushalte mit einem geringen Einkommen sind sie am günstigsten. Das führt in vielen Fällen dazu, dass die mit einer zweiten Erwerbstätigkeit verbundenen Kosten das Einkommen sogar übersteigen.

Handlungsmöglichkeiten der Gemeinden

Je nachdem, wie die Gemeinden ihre Elterntarife ausgestalten, gibt es unterschiedliche Erwerbsanreize für die Eltern. Gemeinden, die ihr Elterntarifsystem überprüfen möchten, finden in der Studie «Negative Erwerbsanreize durch Tarife und Steuerabzüge für familien- und schulergänzende Betreuung» eine Zusammenstellung, wie sie Tarife ohne negative Erwerbsanreize ausgestalten können.

Steuergesetze und die Kinderbetreuungskosten sollten kein bestimmtes Modell der Arbeitsteilung bevorzugen, sondern die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie fördern. Sie sollten die Erwerbstätigkeit beider Elternteile nicht in Frage stellen.

Die Fachstelle für Gleichstellung setzt sich dafür ein, dass die Fehlanreize im Steuer- und Sozialsystem beseitigt werden. Sie hat unter anderem die beiden erwähnten Studien zur Situation im Kanton Zürich erarbeiten lassen und herausgegeben.