Tipps für Arbeitnehmerinnen

Über Löhne wird nicht gesprochen. Darum ist es besonders schwierig, Lohndiskriminierungen auf die Spur zu kommen und sich für seinen eigenen Lohn einzusetzen.

Sie bewerben sich um eine neue Stelle

  • Informieren Sie sich darüber, wie viel Lohn Sie in Ihrem Beruf und in der Funktion, für die Sie sich bewerben, üblicherweise erwarten können. Dazu kann Ihnen ein Lohnvergleich mit dem Lohnrechner des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes www.lohngleichheit.ch oder dem Salarium des Bundesamtes für Statistik (www.lohnrechner.bfs.admin.ch) nützlich sein.
  • Beruflich relevante Kompetenzen wie Organisationsfähigkeit, Flexibilität und Belastbarkeit können auch in der Haus- und Familienarbeit oder über ehrenamtliche Aktivitäten erworben werden. Vergessen Sie nicht, diese in Ihr Qualifikationsprofil aufzunehmen.

Sie haben einen Termin für ein Mitarbeitendengespräch

  • Wichtig ist eine gute Vorbereitung. Erkundigen Sie sich im Voraus über das Ziel des Gesprächs. Verlangen Sie die dazu notwendigen Unterlagen (Gesprächsleitfaden, Bewertungsbogen usw.).
  • Vergegenwärtigen Sie sich, was Sie an Ihrem Arbeitsplatz geleistet haben. Überlegen Sie sich, welche Ihrer Leistungen besonders gut waren, welche Sie als nicht so gut einschätzen. Bereiten Sie Vorschläge vor, um Ihre Leistungen optimieren zu können.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, eine Lohnerhöhung zu verlangen. Sofern Sie diese nicht erhalten: Treffen Sie eine Vereinbarung, wann und unter welchen Voraussetzungen eine Lohnerhöhung geplant ist.

Sie möchten Ihre berufliche Laufbahn aktiv in die Hand nehmen

  • Sprechen Sie Ihre Vorgesetzten auf Weiterbildungsmöglichkeiten an. Stellen Sie klar, dass Sie bereit sind, sich beruflich weiterzuqualifizieren.
  • Ergreifen Sie die betriebsinternen Möglichkeiten zur beruflichen Weiterqualifizierung.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass Sie Aufgaben zugeteilt bekommen, die Ihrer beruflichen Entwicklung förderlich sind. Machen Sie deutlich, dass Sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
  • Nehmen Sie an betriebsinternen oder -externen Frauenförderungsprogrammen teil. Sie vermitteln Kompetenzen, die Ihrer beruflichen Laufbahn nützlich sein können, und stärken das Selbstvertrauen.
  • Sprechen Sie Ihre Vorgesetzten auf die Voraussetzungen und Möglichkeiten einer Beförderung an. Bekunden Sie Interesse an einer Beförderung und machen Sie Vorschläge, wie sich die Übernahme einer Leitungs- oder Kaderfunktion mit Ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren lässt.

Sie haben den Verdacht, lohnmässig diskriminiert zu werden

  • Informieren Sie sich über das Gleichstellungsgesetz. Ziehen Sie Unterlagen zum Thema Lohndiskriminierung hinzu.
  • Sammeln Sie Informationen, die den Verdacht auf Lohndiskriminierung belegen können.
  • Besorgen Sie sich Informationen zum betrieblichen Lohnsystem. Informieren Sie sich, ob es einen Gesamtarbeitsvertrag gibt und welche Regelungen gelten.
  • Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem/Ihrer Vorgesetzten, der/dem Personalverantwortlichen oder der/dem betriebsinternen Gleichstellungsbeauftragten. Verlangen Sie eine Abklärung, ob der von Ihnen entdeckte Lohnunterschied gerechtfertigt ist.
  • Lassen Sie sich durch Fachpersonen beraten. Sofern Sie Mitglied eines Personaloder Berufsverbandes oder einer Gewerkschaft sind, können Ihnen diese behilflich sein. Sie können sich auch durch eine Gleichstellungsstelle oder eine Frauenorganisation beraten lassen.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, bei einem begründeten Verdacht auf Lohndiskriminierung weitere Schritte zur Einforderung der Lohngleichheit zu unternehmen.
  • Erkundigen Sie sich nach der Schlichtungsstelle für Gleichstellungsfragen in Ihrem Kanton.
  • Bestellen Sie die Broschüre «Mein Lohn unter der Lupe» des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung und/oder den Leitfaden «Ganzer Lohn für ganze Arbeit – Lohngleichheit jetzt!» des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes oder die Publikation «Fairplay beim Lohn für Frauen und Männer».

Sie wollen nicht alleine für die Lohngleichheit einstehen

  • Treten Sie einem Berufsverband oder einer Gewerkschaft bei. Diese Organisationen setzen sich für die Rechte der Arbeitnehmenden ein und unterstützen Sie.
  • Sprechen Sie Arbeitskolleginnen und -kollegen auf das Thema an. Tun Sie sich mit Gleichgesinnten zusammen, mit denen Sie sich gemeinsam für die Verwirklichung der Lohngleichheit einsetzen können.

Sie wollen sich für die Gleichstellung im Erwerbsleben einsetzen

  • Regen Sie an Ihrem Arbeitsplatz Massnahmen an, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern an Ihrem Arbeitplatz ernst genommen wird. Unterstützen Sie Personen und Massnahmen, welche die Gleichstellung fördern.
  • Unterstützen Sie Personen aus Ihrem beruflichen und privaten Umfeld, die sich gegen Diskriminierungen am Arbeitsplatz wehren.

Löhne vergleichen - zwei Hilfsmittel

Es gibt unterschiedliche Lohnrechner, die einem eine Einschätzung bieten, welcher Lohn für das entsprechende Alter, Dienstalter, die entsprechende Funktion und Tätigkeit regional üblich ist.

Die Rechner weisen auch die branchenüblichen Lohnunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Angestellten auf und lieferen Fallbeispiele zu verschiedenen Formen von Lohndiskriminierung. Dies gibt erste Hinweise darauf, ob im eigenen Fall eine Lohndiskriminierung vermutet werden kann.

Die Website www.lohngleichheit.ch ist ein Projekt des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. «Salarium» ist ein Angebot des Bundesamtes für Statistik.

Und ausserdem...

  • Der Arbeitgeber darf Ihnen nicht verbieten, dass Sie über Ihren Lohn reden. Betriebsordnungen oder ähnliches, die dies verlangen, verstossen gegen den Persönlichkeitsschutz.
  • Während des Verfahrens und sechs Monate darüber hinaus sind Sie vor einer «Rachekündigung» geschützt. Erhalten Sie in dieser Frist trotzdem die Kündigung, müssen Sie diese sofort anfechten.
  • Eine Lohndiskriminierung kann auch geltend gemacht werden, wenn Sie den Betrieb bereits verlassen haben.