Rechenbeispiele

Ein Lohnunterschied von ein paar hundert Franken bei Karrierebeginn kann bis zur Pensionierung auf eine halbe Million Franken anwachsen. In den folgenden Beispielen wurde der reine Lohnunterschied aufgerechnet. Nimmt man auch die Zinsen und Zinseszinsen sowie die fehlenden Pensionskassenbeiträge dazu, erhöhen sich die Zahlen nochmals deutlich.

Beispiel 1: Anna und Peter

Anna und Peter, 20-jährig. Beide haben das KV Anfang Jahr erfolgreich abgeschlossen. Anna findet eine Stelle im Backoffice einer bekannten Versicherung, Einstiegslohn 4'145 Franken. Peter nimmt seine Arbeit in der Buchhaltung einer Grossbank auf, Einstiegslohn 5'112 Franken. Am Ende der Karriere machen die 19 Prozent Lohnunterschied 522'000 Franken aus.

Beispiel 2: Sonja und Urs

Sonja und Urs haben an der ETH Informatik-Ingenieur studiert und ihre berufliche Laufbahn vor drei Jahren als Projektassistentin bzw. -assistent in zwei grösseren IT-Firmen in der Nordwestschweiz begonnen, Einstiegslohn Sonja: 6'539 Franken, Einstiegslohn Urs: 7'396 Franken. Urs wurde nach 1 Jahr zum Projektleiter befördert und nun (nach weiteren 2 Jahren) zum Projektmanager.

Sonja musste wegen Schwangerschaft und der Geburt ihrer Tochter ihr Pensum nach einem Jahr auf 50 Prozent reduzieren. Für Projektleiter verlangt ihre Firma 100 Prozent Einsatz, das Thema Beförderung ist für Sonja also keines mehr.

Die Lohndifferenz von anfänglich 12 Prozent, erhöht sich mit der ersten Beförderung von Urs auf 17 Prozent und beträgt nach der zweiten Beförderung 27 Prozent. Über die gesamte Laufbahn gerechnet ergibt dies eine Differenz von 1,2 Mio. Franken, welche Sonja weniger verdient als Urs bezogen auf den 100-Prozent-Lohn (ihr geringeres Pensum nicht mit eingerechnet.)

Beispiel 3: Auswirkungen auf Altersrente und Pension

Lohnunterschiede und Teilzeitarbeit wirken sich auch auf das Einkommen im Pensionsalter aus und können über die Möglichkeit einer Frühpensionierung entscheiden. Nur 15 Prozent der männlichen Neurentner müssen lediglich mit einer AHV-Rente auskommen. Bei den Frauen sind es 48 Prozent, also fast die Hälfte, die über keine weitergehende berufliche Vorsorge verfügen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Frauen frühpensionieren lassen, ist erheblich geringer als bei Männern. Im Unterschied zu Männern verzichten Frauen vor allem aus ökonomischen Gründen auf eine Frühpensionierung.

Beispiel 4: Ungleichwertige Berufe

Krankenschwestern waren im Kanton Zürich bis 2007 im Vergleich zu Polizisten um ein bis zwei Lohnklassen zu tief eingestuft. Dies machte bis zu 1000 Franken pro Monat aus. Für eine junge Krankenschwester bedeutet die erfolgreiche Lohnklage ihres Berufsverbands eine halbe Million Franken mehr Lohn im Laufe ihrer Karriere.

Beispiel 5: Lohndiskriminierung und Vorgänger / Nachfolgerin

Eine langjährige Buchhalterin stellt fest, dass sie gegenüber ihrem weniger qualifizierten, aber älteren Vorgänger für die gleiche Arbeit 1000 Franken pro Monat weniger verdiente. Das Arbeitsgericht wertet vier Fünftel davon als diskriminierende Lohndifferenz und verpflichtet die Firma zu entsprechenden Nachzahlungen.

Die Firma muss der Buchhalterin ab Abschluss ihrer Zusatzausbildung 800 Franken Lohn pro Monat plus Zinsen nachzahlen. Für jedes Jahr, welches sie seit Abschluss ihrer Fähigkeitsprüfung zu wenig verdient hat, erhält sie also 10'000 Franken nachbezahlt.

Quellen

Die wichtigsten Quellen der Rechnungsbeispiele sind:

Die Beispiele wurden im 2010 vom Büro für Arbeits- und sozialpolitische Studien BASS AG erstellt und von der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich in Auftrag gegeben.